Single-Abend

Du lieber Himmel, war das alles peinlich! Da hatte ich mich jetzt das erste Mal in meinem Leben auf einen sogenannten Single Abend in einer Bar gewagt. Von alleine hätte ich das nie gemacht. Ich wurde gedrängt dazu von meiner besten Freundin, die gerade mit ihrem Freund zusammengezogen war, dem Single Dasein deshalb endgültig Lebewohl gesagt hatte und jetzt offensichtlich dachte, sie müsse auch mich unter die Haube bringen.

Das Dumme war, ich war gar nicht so unzufrieden als Single Girl. Natürlich fehlte mir ab und zu mal jemand zum Kuscheln, aber ich fühlte mich eigentlich recht wohl solo.
Irgendwann erschien es mir allerdings weit einfacher, eine der vielen Anregungen meiner Freundin für Singlekontakte anzunehmen, als ständig ihr Lamentieren zu hören. Das hatte mich an jenem bewussten Abend in diese Bar geführt.
Nachdem ich mich gut eine Stunde lang dem allgemeinen Beglotzen und Begutachten und dem nichtssagenden Small Talk ausgesetzt hatte, ohne einen Mann zu sehen, den ich auch nur halbwegs interessant gefunden hätte, hatte ich die Nase voll.

Ich zog mich an die Bar zurück, wo es ziemlich leer war, weil die meisten anderen sich entweder schon zu Pärchen zusammen gefunden hatten, oder aber wie aufgescheuchte Hühner herum liefen, um endlich doch noch jemanden abschleppen zu können.

„Na, keinen Erfolg gehabt?“, fragte mich der Barkeeper und zwinkerte mir zu. Beinahe wäre ich ihm empört über den Mund gefahren, dass ich es nicht nötig hatte, auf diese Weise einen Partner zu finden – aber ich konnte mich gerade noch rechtzeitig bremsen.

Es stimmte ja – ich war hier, um Single Kontakte zu finden, und hatte dafür sogar glatte 40 Euro berappen müssen!

Außerdem sah der Typ hinter der Bar richtig süß aus, den hatte ich keine Lust zu verärgern. Ich tippte darauf, dass er Italiener war oder sonst südlicher Abstammung. Er war klein, drahtig, aber muskulös, mit blitzenden dunklen Augen und dunkler Haut, und sein Akzent im ansonsten fehlerfreien Deutsch war wirklich total erotisch!
Also verdrehte ich die Augen, seufzte und scherzte: „Meinen Anforderungen ist eben nicht leicht ein Mann gewachsen!“ Er lachte und zeigte dabei strahlend weiße Zähne zwischen seinen vollen, roten Lippen.
Der Typ gefiel mir richtig gut!

Nachdem er mir meine Weißweinschorle gemacht hatte, sorgte ich dafür, dass unsere Hände sich – ganz zufällig natürlich … – berührten, als er mir das Glas hinstellte. Es traf mich wie ein kleiner elektrischer Schlag. Er sah mir direkt in die Augen, hielt ganz still, seine Hand an meiner; weit länger, als dies normal gewesen wäre.
Ich bemühte mich, möglichst schnell auszutrinken, damit sich dieser kleine Flirt mit der Berührung unserer Hände wiederholen konnte. So kam es, dass ich im Laufe einer weiteren Stunde fünf Weinschorle getrunken habe und reichlich beschickert war.

Was dazu führte, dass ich es dem Barmann ganz direkt sagte, wie süß ich ihn fand. Worauf hin er erwiderte, dass ich das schärfste Girl in der ganzen Bar sei. In meinem Bauch hat es richtig heiß gekribbelt bei diesen Worten.

Nein, ich bin an diesem Abend alleine nach Hause gegangen; ich habe mir den süßen Barkeeper nicht für einen ONS mit ins Bett genommen, weil ich lange vor seinem Feierabend gegangen bin. Allerdings, am nächsten Tag bin ich gleich noch mal in diese Bar, diesmal ganz ohne Single Abend, und sehr viel später erst, und da hat es dann geklappt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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